Ich bin zurück aus dem Urlaub, der sehr schön war und von dem ich auch noch berichten werde. Aber erst muss ich noch etwas anderes loswerden: meinen Bericht von der City-Nacht gestern in Berlin.
Dieses Jahr lief es bisher überhaupt nicht bei mir. Viele Läufe waren schwerfällig, schon beim Loslaufen hatte ich oft schwere Beine, richtig Blei in den Waden. Die Wettkämpfe wurden im Laufe der Saison immer schlechter, nur der Berlin-HM im April war eine Ausnahme. Vorläufiger "Höhepunkt" war dann die 10 km beim Berliner Frauenlauf im Mai, den ich mit 59:24 min gerade so unter einer Stunde bewältigte. Und ich hätte keinen Deut schneller gekonnt. Meine Bestzeit von 53:18 min aus dem letzten Jahr schien unerreichbar.
Danach lies ich eine Blutuntersuchung vornehmen, die wie befürchtet akuten Eisenmangel aufdeckte. Somit war die Ursache meiner Schlappheit beim Laufen gefunden. Seit Mitte Juni nehme ich nun Medikamente zum Speicher auffüllen und ich habe es auch mit dem Laufen sehr ruhig angehen lassen. Eigentlich hatte ich die Saison in Hinsicht auf neue Bestzeiten abgehakt. Nur den Berlin-Marathon, für den ich bereits angemeldet war, wollte ich möglichst in unter 4:30 h laufen.
Doch schon recht bald spürte ich Fortschritte. Die Pulsbereiche wurden niedriger, die gelaufenen Geschwindigkeiten dabei sogar höher. Mittlerweile konnte ich in unteren Pulbereichen laufen, wie ich sie so noch nie erreicht hatte. Aber ich habe immer nur Grundlagentraining gemacht. Kurz vor Urlaubsbeginn vor 2 Wochen habe ich meine Werte mal bei Daniels eingegeben, der mir für 10 km eine neue Bestzeit um 53 min voraussagte. So ganz glauben wollte ich das nicht, denn ich verzichtete auf Tempotraining. Aber über die Tendenz war ich schon sehr erfreut.
Dann begann der Urlaub in Dänemark und mit ihm wunderschöne aber auch anstrengende Läufe an der Ostsee, wo es immer sehr windig war. Gleichzeitig begann auch mein Marathontrainingsplan und mit ihm gab es auch die ersten beiden Tempoläufe: 5 km in 6:00 min/km und 3x1000m in 5:30min/km. Ich hielt mich an diese Vorgaben, merkte aber, dass nach oben noch einiges an Luft vorhanden ist.
So ging es nach Berlin und ich hatte keine Ahnung, was ich nun wirklich zu laufen imstande bin. Im Parkhaus des Hotels passierte mir noch ein Malheur, als ich mich beim Gepäckanheben verhob. Das hat dann auch unsere geplante Shoppingtour arg abgekürzt und ich habe mit dem Hotelbett vorlieb genommen, um den Rücken zu entlasten. Ich dachte, dass kann nicht wahr sein. Lange hatte ich Ruhe vor solchen Attacken und nun ausgerechnet jetzt so kurz vor einem Wettkampf. Das Liegen bekam mir aber ganz gut und so sind wir zusammen zum Start gegangen. Dort habe ich mich dann von Frank verabschiedet, denn er wollte sich weiter vorn einsortieren, um nicht soviel Slalom laufen zu müssen. Dann habe ich mich eingelaufen und dabei bei jedem Aufsetzen des rechten Beines die Schmerzen im Rücken verspürt. Na, das kann ja heiter werden. Ich bin dann bei dem 55min-Schild über die Absperrung geklettert und habe so den Start mit den vielen anderen Läufern abgewartet und immer mal wieder gedehnt. Das ganze zog sich noch eine Weile hin, denn ich war dann erst in der dritten und letzten Startgruppe, die ca. 7 min später auf die Strecke ging.
Als es dann endlich losging, habe ich keine Schmerzen mehr gespürt, sondern bin einfach losgelaufen. Adrenalin pur! So locker und leicht bin ich noch nie einen Wettkampf angegangen. Mein Blick auf den Garmin verriet mir eine Pace unter 5min/km, doch der Puls war auch sehr niedrig. Ursprünglich wollte ich mit 5:30 anlaufen, doch davon war keine Rede mehr. Ich entschied dann, die Pace-Anzeige wegzublenden und mich nur nach dem Puls zu orientieren, um nicht zu überziehen. Und weiter ging es, als ob ich schweben würde. Die ersten beiden km in jeweils 5:05 min/km, ab dem dritten stimmte mein FR leider nicht mehr mit der offiziellen Markierung überein. Irgendwie hat er mit dem Ku´damm ein Problem, denn schon im letzten Jahr hatte ich 290 Meter mehr auf dem Display, während es bei Frank genau die 10 km waren. So habe ich dann nur bei dem 5km-Schild auf meine Zeit geschaut und so nebenbei mit 25:45min eine neue PB erzielt. Lt. FR waren es sogar nur 25 min. Dann ging es wieder auf den Ku´Damm, wo die Zuschauer eine phantastische Stimmung machten. Ab km 7 fiel es mir dann etwas schwerer und auch mein Rückenschmerz meldete sich wieder. Aber er war nicht hinderlich. Als dann 500 Meter weiter die Kehre geschafft war und das Ziel immer näher kam, bin ich nur noch gelaufen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Werte. Und ich habe immerzu überholt, ich stand ja auch relativ weit hinten, so dass ich oft Slalom laufen musste.
Dann war endlich die Zielanzeige sichtbar und als ich was von 58 min lesen konnte, war ich überglücklich. Meine selbstgestoppten 51:29 min stimmten sogar mit der offiziellen Zeit überein und ich habe das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.
Unglaublich! Ich habe meine Bestzeit um fast 2 min unterboten und war 8(!)min schneller als vor 11 Wochen. Und das fast ohne Tempotraining. Was so ein bisschen Eisen doch bewirken kann.
Somit habe ich mein Saisonziel für die 10 km mit sub 52 min erreicht und ein neues Ziel vor Augen. Denn ich bin nun felsenfest überzeugt, dass ich auch unter 50 min laufen kann. Aber nicht mehr in diesem Jahr!
Heute habe ich nicht mal Muskelkater, aber mein Rücken schmerzt und wird wohl noch ein paar Tage rumzicken. Aber ich kann laufen und das zählt.